Seminarbericht: „Aktuelle Entwicklungen des deutschen Zivil- und Strafrechts für Übersetzer und Dolmetscher“ (6.-7. Februar 2009)
Europäischen EDV-Akademie des Rechts in Merzig
Im Februar fand erneut ein zweitägiges Seminar zu Themen der Übersetzung juristischer Texte bei der Europäischen EDV-Akademie des Rechts in Merzig statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, insgesamt 20 an der Zahl, kamen nicht nur aus Deutschland, sondern zum größten Teil aus dem benachbarten Ausland (Frankreich, Niederlande, Belgien und Luxemburg) – ein Zeichen dafür, dass die Qualität der Veranstaltung sich über die Landesgrenzen hinweg herumgesprochen hat. Es ist bereits das dritte Seminar in der Folge, organisiert von Frau Dr. phil. Tinka Reichmann, Diplom-Übersetzerin (BDÜ), vereidigte Übersetzerin und Dolmetscherin (FR, ES, PT, EN). Diesmal stellte die Stadt Merzig Räumlichkeiten zur Verfügung, die ein angenehmes Ambiente boten und sich in der Nähe des Bahnhofs befanden, was besonders für die mit der Bahn Angereisten günstig war.
Der Hauptreferent Herr PD Dr. jur. Dr. phil. Thomas Gergen, Universität Saarbrücken, vereidigter Übersetzer und Dolmetscher (FR, ES, SV), führte mit der ihm eigenen Eloquenz, Engagement und persönlichen Ausstrahlung durch die Vielfalt an Themen und Begriffen.
Zunächst nahm er sich eine Rekapitulation von Grundwissen (z.B. Gerichtsaufbau, Instanzenzüge und Rechtsmittel, Normenarten und ‑hierarchie, Gerichtsstand) sowie der dazugehörigen Terminologie vor. Diese Einleitung führte zur vertiefenden Behandlung einer Vielzahl an Themen aus dem Zivilrecht. Die für die Übersetzungspraxis und das Gerichtsdolmetschen wichtigsten Bereiche wie Familienrecht (Formen der Beendigung der Ehe, elterliche Sorge, rechtliche Betreuung, Unterhaltsrecht, Eheverträge, Güterstände), Aufbau des Grundbuchs, Terminologie des Grundbuchs- bzw. Grundstückkaufrechts (Auflassung, Grundschuld, Hypothek, Dienstbarkeiten, Nießbrauch, Grundpfandrecht, usw.), Zwangsversteigerungsgesetz, erbrechtliche Auswirkungen der Güterstände, Pflichtteil, Vermächtnis, Legat, Testament, Berliner Testament, Erbvertrag, Erbschein kamen besonders zum Tragen. Auch praktische Aspekte für die rechtliche Absicherung von Übersetzern und Dolmetschern wie Gestaltung der AGBs in Übersetzer-Verträgen und Formvorschriften für Verträge wurden angesprochen.
Einen weiteren Schwerpunkt bildete der große Teilbereich des Strafrechts. Die Themen bezogen sich auf die Phasen und die Beteiligten am Strafverfahren sowohl im Erwachsenen- wie auch im Jugendstrafrecht, auf die Rolle der Staatsanwaltschaft und der Polizei. Es wurden verschiedene Verdachtsformen und Delikte, Begriffe wie Notwehr, Nothilfe, Analogieverbot, „Deal“, Verjährung u.v.m. besprochen. Die beim Übersetzen häufig vorkommenden Textsorten Strafbefehl, Anklageschrift und Urteil wurden besonders im Hinblick auf die darin enthaltene Begriffe (Einlassung, Tagessätze usw.), aber auch auf relevante übersetzungsmethodische Fragen eingehend beleuchtet.
Hinweise auf aktuelle Entwicklungen (neues Unterhaltsgesetz ab 1.1.2008, Änderungen des Lebenspartnerschaftsgesetzes 2005, höchstrichterliche Rechtsprechung zum Ehevertrag 2005 und 2009, Reform der Erbschaftssteuer ab 1.1.2009, Reform des Ehegüterrechts zum 1.9.2009) und eine Übersicht über elektronische Recherchequellen für Rechtsübersetzer rundeten die Themenvielfalt ab.
Es war nicht verwunderlich, dass es bei dieser Fülle an relevanten Inhalten zu regen Diskussionen kam und ein fruchtbringender Erfahrungsaustausch stattfand. Konkrete Probleme der Übersetzungspraxis und selbst mitgebrachte Texte konnten in der Runde besprochen werden. Die allgemeine Zufriedenheit fand ihren Ausdruck bei der abschließenden Evaluation des Seminars. Ein Zeugnis dafür lieferten die ausgefüllten Fragebögen mit zahlreichen positiven Bewertungen.
In den Pausen konnte man auf dem Büchertisch von Bock & Seip stöbern und sich das eine oder andere Fachbuch gönnen. Eine umfangreiche Seminarmappe (160 Seiten) mit Schulungsmaterial, Kopien authentischer Dokumente sowie weiteren Literaturhinweisen konnten die Seminarteilnehmer mit nach Hause nehmen.
Insgesamt blicken wir auf eine gelungene, lehrreiche Veranstaltung zurück, bei der nicht zuletzt persönliche Kontakte entstanden und eine angenehme Geselligkeit unter Kollegen zu spüren war.
Als Termin für das nächste Seminar wurde das Wochenende 05. und 06. Februar 2010 vorgemerkt, worauf wir jetzt schon hinweisen möchten.
März 2009, Krassimira Kotcheva
