Berufsbild Gerichtsdolmetscher

Der Beruf des Gerichtsdolmetschers ist in der Öffentlichkeit nicht so präsent. Das ist nicht verwunderlich, schließlich arbeitet der Gerichtsdolmetscher meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit - bezüglich seiner Arbeit unterliegt er der Schweigepflicht. Und doch ist die deutsche Rechtssprechung ohne die Arbeit der Gerichtsdolmetscher nicht vorstellbar: Jeder Betroffene in einem Verfahren hat in Deutschland das Recht auf einen Gerichtsdolmetscher, wenn er der deutschen Sprache nicht hinreichend mächtig ist. Der Einsatz des Gerichtsdolmetschers sichert sein Anrecht auf rechtliches Gehör, das im Grundgesetz verankert ist. Nach Schätzungen des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer wird in jedem fünften Verfahren ein Gerichtsdolmetscher benötigt. Über 20.000 juristische Dolmetscher und Übersetzer gibt es in Deutschland laut Datenbank der Landesjustizverwaltungen (www.justiz-dolmetscher.de).

Der Beruf

Der Gerichtsdolmetscher überträgt in einer mündlichen Verhandlung oder Vernehmung das gesprochene Wort. Er hat dabei eine hohe Verantwortung, denn ein Fehler könnte fatale Folgen haben. Von der Qualität seiner Arbeit kann ein Freispruch oder eine Verurteilung abhängen.

Die Herausforderung

Gerichtsdolmetscher brauchen eine Ausbildung als Dolmetscher, um so die sprachlichen Grundlagen sowie die unterschiedlichen Dolmetschtechniken zu beherrschen. Außerdem benötigen sie fundiertes juristisches Know-How: Sie müssen sowohl das deutsche Rechtssystem, als auch das Rechtssystem desjenigen Landes, in dessen Sprache sie arbeiten, gut kennen. Neutralität bei der Arbeit sowie Verschwiegenheit sind für Gerichtsdolmetscher oberstes Gebot. Sie müssen stressresistent sein und auch in höchst emotionalen Situationen einen kühlen Kopf bewahren. Gerichtsdolmetscher müssen zudem in der Lage sein, mit den oft belastenden Inhalten der Arbeit fertig zu werden und nach der Arbeit abzuschalten.

Honorar

Die überwiegende Mehrheit der Gerichtsdolmetscher arbeitet freiberuflich, denn feste Stellen in Behörden gibt es nur wenige. Gerichtsdolmetscher werden direkt von den Gerichten beauftragt. Die Vergütung der Gerichtsdolmetscher erfolgt nach dem Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz (JVEG). Das JVEG sieht zurzeit einen Stundensatz von 55 Euro vor. Im Jahr 2013 soll das JVEG angepasst werden.

Extra: „Gerichtsübersetzer“

In Verfahren arbeiten neben Gerichtsdolmetschern auch „Gerichtsübersetzer“. Im Gegensatz zum Gerichtsdolmetscher arbeitet der Gerichtsübersetzer oder auch juristische Übersetzer mit schriftlichen Texten: Er übersetzt Schriftsätze wie zum Beispiel Klageschriften von einer Sprache in die andere. Dazu braucht auch er eine Ausbildung als Übersetzer und Kenntnisse des deutschen sowie des ausländischen Rechtssystems, in dessen Sprache er arbeitet. Wie der Gerichtsdolmetscher trägt er eine hohe Verantwortung und muss äußerst gewissenhaft sowie fehlerfrei arbeiten.

Die überwiegende Mehrheit der Gerichtsübersetzer ist selbstständig. Die Bezahlung erfolgt gemäß JVEG.

Die Ausbildung

Der Verband empfiehlt als Vorbereitung auf den Beruf ein einschlägiges Masterstudium an einer Hochschule oder einen vergleichbaren Abschluss. Außerdem sollten fundierte Rechtskenntnisse erworben werden, zum Beispiel durch die Spezialisierung auf das Hauptfach Recht im Rahmen eines Studiums. Weitere Informationen zur Ausbildung zum Dolmetscher und Übersetzer sowie zu Ausbildungsstätten stehen auf der Website des BDÜ unter www.bdue.de.

Über den Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V.:

Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) mit Sitz in Berlin vertritt seit über 50 Jahren die Interessen von Dolmetschern und Übersetzern gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Mit mehr als 6.000 Mitgliedern repräsentiert der BDÜ über 75 Prozent aller organisierten Dolmetscher und Übersetzer. Er ist damit der größte Berufsverband für Sprachmittler in Deutschland. Eine BDÜ-Mitgliedschaft steht für Qualität, denn alle Mitglieder müssen vor Aufnahme in den Verband ihre fachliche Qualifikation nachweisen. Durch günstige Studentenmitgliedschaften fördert der Verband den Berufsnachwuchs.

Weitere Informationen unter www.bdue.de .

Stand März 2011